Aktuelle Themen

Welche Strategien führen zu einer erfolgreichen Energiewende?

Studenten bei der Diskussion und Auswahl geeigneter Maßnahmen-Bündel zur Transformation des Energiesystems.

Im Rahmen der Vorlesung Energiewirtschaft werden diese verschiedenen Möglichkeiten zur Dekarbonisierung des Energiesystems diskutiert und analysiert. Um die Auswirkungen der einzelnen Maßnahmen praktisch zu veranschaulichen, wurde in diesem Semester mit der Unterstützung von Thomas Rothenberg (Mitarbeiter des Unternehmens Artefact, Erwachsenenbildung im Bereich Nachhaltigkeit) das interaktive Planspiel „Changing-the-Game“ durchgeführt.

Ziel dieses Planspiels ist eine Energiewende-Strategie für vier europäische Regionen zu entwickeln, wobei ein substanzieller Rückgang der Treibhausmissionen unter gleichzeitiger Berücksichtigung der Systemkosten erzielt werden sollen. Das Planspiel „Changing-the-Game“ setzt sich insgesamt aus vier verschiedenen Phasen zusammen.

In der 1. Phase werden die teilnehmenden Studenten zunächst in vier Gruppen eingeteilt, die den vier Regionen Nord-Europa, Süd-Europa, Ost-Europa und West-Europa entsprechen. Nachdem sich die Studenten anhand des Hintergrundmaterials zunächst mit den spezifischen Eigenschaften ihrer Region vertraut gemacht haben (z.B. hoher Anteil an Kernkraftwerken in Frankreich, hoher Anteil an Kohle-Einsatz in Polen) werden für jede Gruppe energie- und klimapolitische Ziele für das Jahr 2030 definiert (z.B. Höhe der energiebezogenen Emissionen pro Kopf).

In der darauffolgenden 2. und 3. Phase werden dann Transformationspfade für die einzelnen energiewirtschaftlichen Sektoren (Wärme, Industrie, Verkehr und Stromsektor) entwickelt. Hierfür liegen den Studenten alternative Maßnahmen-Vorschläge zu den jeweiligen Sektoren vor, aus denen jede Gruppe dann im Rahmen einer Diskussion ein geeignetes Maßnahmenbündel unter technologischen, ökonomischen und ökologischen Gesichtspunkten auswählt. Typische Maßnahmen sind dabei bspw. die Förderung für eine stärkere Verbreitung von Elektromobilität, der Einsatz von Anlagen zur Kohlenstoffabscheidung und -speicherung (sogenanntes CCS) im Bereich der industriellen Stahlherstellung oder der Einsatz von Smart Metern in den privaten Haushalten. Dabei kam es bei den vier Spielgruppen zu sehr anregenden Diskussionen, welche Entscheidungen für eine nachhaltige Energiezukunft zu treffen sind.

In der 4. Phase werden die Szenarien-Ergebnisse der einzelnen Gruppen – im Rahmen einer Kurzpräsentation – reflektiert und kritisch hinterfragt. Dabei hat sich gezeigt, dass alle Regionen die Treibhausgasemissionen bis 2030 in etwa halbiert hatten. Daran schloss sich eine Diskussion über die unterschiedlichen Akteure an, die im Zuge der Umsetzung der einzelnen Maßnahmen zu addressieren sind bspw. aus Politik oder von verschiedenen Interessensvertretungen. Aus dieser Diskussion ging hervor, dass ein wesentlicher Teil der Maßnahmen zwar wirtschaftlich umsetzbar ist, jedoch die Akzeptanz in der Bevölkerung bei der Umsetzung eine wesentliche Hürde darstellt, die in Zukunft grundlegend den Erfolg der Energiewende beeinflussen wird. "

Der Autor: Dr. Rainer Elsland ist Lehrbeauftragter für die Vorlesung Energiewirtschaft im Master-Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen. Herr Elsland arbeitet am Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) in Karlsruhe und beschäftigt sich dort im Bereich der Politikberatung mit energie- und klimapolitischen Fragestellungen der Energiewende.